Mathias Hoben: "Angewiesenheit und Selbstdarstellung - Über die Bemühungen pflegebedürftiger Menschen, nicht aus dem Rahmen zu fallen".

Vortrag am 06. Februar 2008 in der AG Pflegeforschung

Die Motivation, mich der Thematik der Selbstdarstellung pflegebedürftiger Menschen in Interaktionen mit Pflegenden anzunehmen, rührte aus den Erfahrungen eines Projektes, in dem wir Studierenden an der HS Esslingen ein Beschwerdemanagementkonzept für einen Altenhilfeträger entwickelten. Hier wurde sehr schell deutlich, dass das eigentliche Problem bereits lange vor dem Umgang mit Beschwerden begann: Um Beschwerden zu "managen", müssen diese nämlich zuvor von den pflegebedürftigen Menschen geäußert werden. Und genau dies geschieht in zahlreichen Fällen nicht. Sehen Menschen schon im Alltag nicht selten davon ab, sich zu beschweren (etwa, wenn sie mit dem Essen in einem Restaurant unzufrieden sind), so gibt es für pflegebedürftige Menschen erheblich mehr und tiefgehendere Gründe, bestimmte Gedanken und Gefühle zu verbergen, andere dagegen gezielt zu präsentieren und zu inszenieren.

Mein Ziel war es zunächst, einen theoretischen Bezugsrahmen zu schaffen, der dann irgendwann als Grundlage für eine empirische Forschungsstudie (am besten im Rahmen einer Promotion : )) dienen kann.

Die Arbeiten Erving Goffmans bildeten eine wichtige Grundlage, um den Begriff der Selbstdarstellung und dessen theoretische Hintergründe zu entfalten. Die spezielle Situation, auf pflegerische Hilfe angewiesen zu sein, analysierte ich, indem ich mittels einiger feministischer Arbeiten aus dem Bereich der Fürsorge- beziehungsweise Care-Ethik den Begriff der Abhängigkeit oder Angewiesenheit genauer betrachtete. Indem ich diese beiden Ansätze zusammenführte, konnte ich einen theoretischen Bezugsrahmen schaffen, der (gewiss nach einiger weiterer Ausarbeitung und Präzisierung - möglicherweise auch Veränderung) einer Erforschung der Frage zugrunde liegen kann, auf welche Weise sich Menschen, die auf pflegerische Hilfe angewiesen sind, in Interaktionen mit Pflegenden darstellen/inszenieren und was sie verbergen.